Kreuzfahrtrecht

Kreuzfahrtrecht

Kreuzfahrten erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Reisenden.

Bei Mängeln der Kreuzfahrt (falsche Kabinenkategorie, falsches Schiff, geänderte Reiseroute, Ausfall von Landausflügen u.ä.) ist der Reisende zur Minderung des Reisepreises berechtigt und kann unter Umständen Schadensersatz verlangen.

Bei Kreuzfahrten darf die Minderung nach dem OLG Köln, Gz. 16 U 82/07, nicht derart schematisch ermittelt werden, dass die mangelfreien Tage in Relation zu den mangelbehafteten Tagen gesetzt werden. Seetage sind nicht mehr mit Ausflugstagen gleichzusetzen. Dass Höhepunkte der Kreuzfahrt nicht stattfinden, muss bei der Minderung berücksichtigt werden.

Falls der Reisende infolge einer Abflugverspätung den Beginn der Kreuzfahrt versäumt, ist er zur Minderung berechtigt (LG Frankfurt a.M., FVE ZivR Nr.310 (1981).

Beim Verpassen von Zubringerflügen ist im Rahmen der Kündigungsmöglichkeit immer darauf abzustellen, ob die Reisenden in einem anderen Hafen hätten zusteigen können (LG Frankfurt a.M., RRa 2008, 22).

Wenn die Kreuzfahrt nicht mit dem gebuchten Kreuzfahrtschiff stattfindet, liegt ein Mangel vor (LG Frankfurt a.M RRa 1997, 218; AG Düsseldorf, NJW-RR 2002, 562).

Teilweise haben sich die Veranstalter den Wechsel des Schiffes, die Änderung der Schiffsroute oder das Nichtanlaufen von Häfen bei Vorliegen gewisser Umstände vorbehalten.

Ob und in welcher Art und Weise ein solcher Vorbehalt zulässig ist, sollte anwaltlich geprüft werden.

Das Landgericht Bremen (Gz.: 1 O 1335/01) musste sich mit einer Klausel befassen, wonach der Reiseveranstalter berechtigt sei, unter Umständen nicht alle Häfen anzulaufen. In diesem Fall kann sich ein Ausschluss von Ansprüchen der Reisenden ergeben. Anders ist dies aber, wenn ein Passagier gar nicht erst an Bord gelangt, weil das Schiff einen bestimmten Hafen nicht angelaufen hat.

Ein Mangel liegt vor, wenn die Reisenden nicht die gebuchte Kabinenkategorie erhalten (Minderung 10 %, Urteil des AG Charlottenburg, 24.03.2011, 210 C 367/10).

Sofern eine Außenkabine gebucht wurde, der Reisende aber eine Innenkabine zugewiesen bekommen hat, kann gemindert werden (AG Stuttgart Bad Cannstadt RRa 1996, 56).

Sofern der Reiseveranstalter nicht auf eine an Bord des Kreuzfahrtschiffes zu zahlende Servicegebühr hinweist, ist diese Servicegebühr den Reisenden vom Reiseveranstalter zu erstatten (Urteil des AG Charlottenburg vom 24.03.2011, 210 C 367/10).

Die Routenänderung stellt einen Mangel dar. Wesentliche unzumutbare Leistungsänderungen dürfen vom Reiseveranstalter auf keinen Fall vorgenommen werden (Urteil des AG Erkelenz vom 27.01.2004, 14 C 464/03 = RRa 2004, 71; Urteil des LG Hamburg 302 S 78/97, RRa 1998, 76; Urteil des AG Hamburg vom 16.05.2000, 18 b C 467/99; Urteil des BGH vom 26.06.1980, VII ZR 257/79).

Ein Reisemangel liegt vor, wenn ein wesentlicher Teil der Häfen nicht angelaufen wird (OLG München NJW-RR 1999,1353).

Bei verspäteter Auslieferung des Gepäcks liegt ein Reisemangel vor (LG Frankfurt am Main NJW-RR 1994,309: Minderung: 40 %).

Das LG Frankfurt am Main hat Reisenden eine Minderung i.H.d. Tagesreisepreises gewährt, denen durch die Flugverspätung die Besichtigung von Hong Kong entging (vgl. LG Frankfurt am Main, Urteil vom 10.07.1997- 2/24 S 374/96; RRa 1997, 218).

Servicemängel berechtigen ebenfalls zur Minderung.

Sofern der Swimmingpool auf dem Kreuzfahrtschiff nicht mit Wasser gefüllt ist, berechtigt dies zur Minderung i.H.v. 5 % (AG München, RRa 2002,25).

Eine Fluggesellschaft ist bei verspäteter Beförderung und dadurch verpasster Kreuzfahrt verpflichtet, den Fluggästen Schadensersatz wegen ihrer Verspätungsschäden (Kreuzfahrtkosten, Hotelkosten, Flugkosten für Rückflüge) zu zahlen (AG Wedding, Urteil vom 25.03.2011, 16 C 167/10).

Die Rechte von Schiffsreisenden werden ab 2012 gestärkt.

Am 06.07.2010 wurden Regelungen für Fahrgäste im Schiffsverkehr beschlossen.

Folgende Regelungen finden ab 2012 auf Reisen mit Schiffen, die auf der See oder auf Flüssen mehr als 12 Fahrgäste befördern, Anwendung:

Bei Abfahrtsverspätung von mehr als 90 Minuten bestehen Ansprüche auf Erstattung des Fahrpreises sowie ein Anspruch auf Rücktransport oder anderweitige Beförderung zum Reiseziel. Der Reiseveranstalter muss für Verpflegung sorgen und bis zu 3 Übernachtungen zahlen.

Bei Ankunftsverspätung am Zielort ist unter Umständen eine teilweise Rückerstattung des Fahrtpreises vorzunehmen.

Bei Gepäckverlust oder -beschädigung ist eine Entschädigung von bis zu 1.800 € zu zahlen.